Donnerstag

Früher dachte ich, der Tod wäre immer gleich. Doch das ist er nicht. 
Ich begegnete ihm drei mal: Einmal war es Schmerz, einmal war es Angst und einmal war es Liebe. Eines war jedoch immer gleich: Der Schrecken der Unwelt. Der Moment, in dem es dich vom Rande stößt. Wenn du aufhörst zu atmen, du nichts fühlst oder siehst. Du hörst dein Herz irgendwo in dir schlagen und wie es sich mit dem Knirschen deiner Knochen vermengt. Nie im Leben sonst fühlst du dich so ehrlich und klein, wie in diesem Moment, wenn deine Seele brach liegt und endlich frei ist von allem, was eigentlich nichts bedeutet.

Eine Lüge: Die Zeit.
Gar nichts wird heilen. Die Abstände zwischen den kummervollen Momenten werden irgendwann größer, weil du ohne Sicherheitsabstände deinem Leben nicht nachgehen könntest. Das weißt du alles sehr genau und auch, dass du damit umgehen musst. Deine Gefühle wollen von nun an sauber ausgelotet werden.

Eine Wahrheit ist, dass sich alles verändert hat. Du, deine Welt, die Sicht auf die Dinge. Wenn du gerade nichts davon mitbekommst, dann werden dir andere sagen, dass du dich verändert hast.

Wie gehts dir? 
Jemand ist tot.
Oh, ja.
...
Was machst du morgen abend?

Die Fragen werden seltener. Die an dich, meine ich. Andere fragen sich, wie du dich so verändern konntest und ob es bald wieder bequemer mit dir werden wird. Ja, vielleicht, nein. Keine Ahnung. Nein. Wäre schön, aber nein. Eine Wahrheit ist nämlich, dass das gar nicht geht und hey, auch gar nicht muss. Denn eigentlich ist es gut so, abgesehen von der blutenden Wunde, die mittig liegt und macht, dass die Verzagtheit nur mit einem Hauch herausgetragen wird, weil dir zu allem anderen die Kraft fehlt. Denn eigentlich ist es gut so, dass du abgestürzt bist und weißt, dass es vom Boden her noch weiter abwärts gehen kann. 

Es fehlen nun Teile von dir. Menschen, die dich geprägt haben, die Tag um Tag dazu beitrugen, dass du fröhlich sein konntest. Menschen, die dein Leben waren sind fort und haben allein Erinnerungen dagelassen. Ja, das ist auch schön. 

Erinnerungen sind so wertvoll, sie werden immer bei dir sein.

Ja, Momente der Verbundenheit existieren über den Tod hinaus, doch tatsächlich sitzt du allein im Lokal und prostest niemandem zu. Und wenn doch, dann wünscht du dir den Menschen zurück, der die anderen für dich so viel erträglicher machen konnte.

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