Mittwoch

DE AMICITIA

oder die Leiden des Jungen Andre1


"Du bist mir ein guter Freund"
Mehr hast du nicht zu bieten? Bloß sechs Worte. Dies sind mir jedoch freilich zu viele an der Zahl, kategorisch falsch noch hinzu, drei andere, sie wären genug.
[[ich][liebe[dich]]]
Alles in mir schreit dieses, es scheint mir das wertvollste meiner Wahrheit zu sein. Und doch sind es nicht diese Worte selbst, die so magni pretii sein können.
Kein Buchstabe vermag jenes Gefühl auch nur so anklingen lassen, wie es in jeder meiner Fasern strömt vor hereinbrechenden Wellen an Melancholie!
Und was wirfst Du in die Waagschale? Einen solch unmöglich denkbaren Satz, reduziert auf die grundlegendste Höhe der Absurdität, denn dein Freund nämlich, das war ich mitnichten jemals. So triefend absurd; Du weißt, daß dies keinen Sinn, keinen Wert besitzt.
Mein Verlangen nach Satisfaktion wünsche ich gestillt zu wissen! Wozu braucht mein sich selbst kasteiend Herz die Möglichkeit allein schon deiner Existenz, außer der unsäglichen Leidenschaften wegen? Ich verzehre mich nach Dir, jeder Bewegung deiner Lippen folge ich gebannt, blindlings vertraut sich meine Seele deinem Geheiße an. Ein einfaches "Tu dies", ich habe es sofort unlängst vollbracht. Ein banales "Stirb", ich will nie g'boren sein. Aber zwinge mich nicht, deinen besten Freund zu mimen, nein, oh nein! Welch Unheil Du mir zuprostest, ich sehe Dich mein Blut trinken, Dich labend an der Qual, mich als Begleiter in deinem Umfeld, der Zone reinster Freundschaft, zu binden - zu viel der Freude, um zu sterben; zu wenig, um zu leben.
Und dennoch erkenne ich zutiefst betrübt, welche Inbrunst meiner Liebe auch beikomme, Du bist wie zu Eis erstarrt hierfür. So gern ich Dir auch einen Vorwurf machen wollte, bin ich mir dessen im Klaren, daß das Maß deiner Sicht von meiner massig Unkürzen entfernt ist. Je mehr ich darüber spreche, desto mehr bist Du es gewohnt, mir ausweichend entgegen zu flüchten.
"Ich möchte Dir nicht wehtun"
Welch ein Hang zur Ironie! Und wenn ich dein Herz nicht antauen, noch erweichen kann, so bitte ich Dich inständig!:
Magst Du mich nicht lieben, so würdige
meiner Emotion' Pain und schalt' sie nicht
mit kalter Schulter Gleichgült'!
Ich verlange, daß sich Waage hält,
drum bitte ich Dich nur um jenes
-hasse mich so sehr,
wie ich Dich lieb'-
In Ruhe versetz' ich sogleich
mir letzten Gnadenhieb.
                                                                                                                                                                  

1http://www.youtube.com/watch?v=KoYg6rHeSps

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