Wer
bin ich denn, wenn ich hier schreibe? Schreiben, das ist eher was für
Mädchen, sagen sie. Mädchen sind in Rechtschreibung gut, Mathe ist
was für Jungs. Amüsanterweise war ich in Mathe schon in der
Grundschule schlecht.
„Blod benötigt im Fach Mathematik mehr Zeit als vorgesehen und benötigt gelegentlich Hilfe“
steht da in
einem meiner Zeugnisse von vor 20 Jahren. Das hat sich auch bis heute
nicht geändert. Deutsch 1, Mathe 3. Zahlen, die fühle ich eher oder
sehe sie in meinem Kopf in Form von Masse und dann schätze ich das
Ergebnis und liege irgendwie intuitiv richtig. Intuition, das ist
auch etwas, was man Frauen zuschreibt. Männer dürfen das nicht
haben, die brauchen Jagdinstinkt.
Und wenn ich hier jetzt über Dinge
schreibe, die grob sind? Motorenöl und Bagger, Wrestling und Fische
fangen? Was macht das dann mit mir, was macht es dann mit Dir? Ey, Du
bist dann doch durcheinander, oder? Was ist, wenn ich Dir sage, dass
ich mich gern dreckig mache beim Basketballspielen und dass ich
danach erbärmlich stinke? Bist du nun eher abgestoßen oder
angezogen? Es gibt da eine Werbung für ein Deo, dessen Duft wirkt so
anziehend auf Frauen, dass sie sich ausziehen müssen. Ha, witzig.
Nun
mal Butter bei die Fische: Wir haben eine Verantwortung. Ich sage
„Ja, witzig.“ obschon ich es gar nicht zum Lachen finden kann.
Den Prozess des Sich-Findens und in die Geschlechterrolle Einfühlens
durchlebe ich, wie ihr alle, bereits mein ganzes Leben und hin und
wieder wird mir auch das Reflektieren zu anstrengend. Dann vergesse
ich mich selbst mit all meinen Attributen und Leidenschaften, meinen
Körper, den ich liebe aber dann zum Feind erkläre, weil
irgendjemand meint, er genüge nicht zum sich nach ihm verzehren.
Wenn es große Menschen mürbe macht, sich zwischen den Geschlechtern
zu zerreißen, dann stellen wir kein gutes Vorbild für Jungen,
Mädchen und Queers dar, die Bilder brauchen, um sich selbst darin
erkennen zu können.
Das
Konzept des „Doing Gender“ hat eine befreiende Aussage in sich,
finde ich, und die hilft, sich seiner selbst bewusst zu werden, wenn
die Gesellschaft ihre Bilder mit dem Projektor auf uns wirft. „Doing
Gender“ – mach doch mal Geschlecht! Leb es, unabhängig von
Deinem biologischen Geschlecht. Sei Frau, sei Mann, sei etwas
dazwischen und hab Mut, den Bildern nachzugehen, die eine gerechte
Welt darstellen, in der Du Dich in Deinen Rollen wohl fühlst. Hab
dabei im Hinterkopf, dass sie dich dabei genau beobachten, dich mögen
oder auch nicht. In jedem Fall ziehen sie das aus Dir, was sie gerade
brauchen.
Vorbildlichst, Blod.
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