Freitag

Anklage #nonmention

Genderbender beugen sich
über Rücken und Ränder
um zu ändern, was sie ändern können.
Was sie ändern wollen.
Was sie wollen.
Was sie wollen ist nicht das, was sie sollen.
Sie sollen still sein und nicht eindringen
in die Borniertheiten der Lebenden, die nichts besseres zu tun haben, als sich auf dem Leben auszuruhn, in dem sie sich verhangen fühlen. Nebenbei gefangen und nicht fähig, sich herüberzubeugen in die Welten, die attraktiv duften aber unbekannt sind. Die Lebenden sind zu Klagenden geworden und merken nicht, dass ihre Hasstiraden gegen Welten, die nicht ihre sind, Herzen und Gedanken brechen, Träume zerschlagen, Wünsche verstummend machen.
 Ich wünsche mir, dass die Klagenden wüssten, dass die Begegnungen die sie machen und Beziehungen, die sie eingehen, manchmal nur aus Vorstellungen bestehen, die sie selber erfüllt sehen wollen.

"Na, so eine bist du ja wohl nicht."
- Sicher?
"Ja, sicher."

Unsicherheiten sind in ihrer Launenhaftigkeit so ein mächtiges Geschoss, deren Sprengkraft Bilder einer Welt zerreißen ließe. Öffnete es dem einen diese, verstörte es die des anderen.
Störungen sind nicht gewollt in der Konstruktion der Welt der Klagenden, sie gehören ignoriert und fortgeschrien. Dabei haben die Klagenden schon längst über ihren eigenen Unmut vergessen, dass jeder Schrei die Menschen vertreibt, die lieben wollen. Die Liebenden, die um Welten wissen, in denen Freiheiten nur in einem Schutzraum erlaubt sind, bis er die Grenzen der Klagenden berührt. Und manchmal, da klopfen die Liebenden zaghaft an die Tore der Klagenden; in der Hoffnung und im Glauben, sie würden hineingebeten, verstanden und akzeptiert. Was bleibt auch anderes übrig, als hin und wieder auszuloten, ob sich die Klagenden gebildet haben.
Die Klagenden aber, die nehmen ungezählte Räume ein. Stunde um Stunde vergeht und die Liebenden lauschen der grausamen Mär von erlittener Arbeit, untragbaren Kollegen, Papierpyramiden, obsoleten Wertvorstellungen, vermissten Leidenschaften, aberkurzen Gedankengängen und reaktionärem Geschwätz. Der Blick in leere Köpfe und Herzen war selten so unterhaltsam, allerdings auch selten so trist.

Tristesse, die erlebt ihr Klagenden, wenn ihr in euren Räumen lustwandelt, dabei alte Bilder beweint und neue nicht mehr zulasst, weil ihr Angst habt vor allem, was euch glauben lassen könnte, ihr hättet nicht die Größe und sie nie gehabt, über Mitmenschen zu urteilen, die in Welten leben, in denen so viel mehr geschieht als in eurer, in der ihr allzu sicher am eigenen Unrat erstickt.

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